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Wir vergessen nie – wir erinnern.
Stolpersteinprojekt

Ein Stein. Ein Name. Ein Schicksal.

Delitzsch. Eine ganz normale Stadt – damals wie heute. Doch auch hier, mitten in unserer Nachbarschaft, spielten sich die Verbrechen der Nationalsozialisten ab. Ein Mensch wurde verfolgt, entrechtet, schließlich ermordet: Wilhelm Friedrich Hänisch. Sein Name ist in kaum einem Buch zu finden. Doch er lebte hier. Und sein Schicksal darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb machen sich Jugendliche des Gymnasiums Delitzsch auf den Weg. Im Rahmen eines Stolpersteinprojekts widmet sich der GRW-Kurs 11grw3 dem Leben von Wilhelm Friedrich Hänisch – und damit der Frage, was es bedeutet, sich zu erinnern. Gemeinsam mit dem Erich-Zeigner-Haus e. V. aus Leipzig tauchen die Schüler:innen in die Geschichte ihrer eigenen Stadt ein. Sie recherchieren, diskutieren, gestalten – und übernehmen Verantwortung. Denn Erinnerung ist mehr als ein Blick zurück. Sie fordert Haltung. Sie fordert Wissen. Und sie braucht Menschen, die bereit sind, hinzusehen. Ziel des Projekts ist die Verlegung eines Stolpersteins für Wilhelm Friedrich Hänisch im Frühjahr 2026. Bis dahin beschäftigen sich die Schüler:innen in acht regelmäßigen Sitzungen mit der NS-Zeit in Delitzsch, mit der Biografie Hänischs, mit öffentlicher Erinnerungskultur und mit der Frage, wie Gedenken heute aussehen kann – klar, empathisch, mutig. Es ist ein Projekt gegen das Vergessen. Und ein starkes Zeichen dafür, dass junge Menschen Erinnerung aktiv gestalten – und Geschichte lebendig halten können. Dieser Beitrag wird künftig regelmäßig aktualisiert – z. B. mit einem Zeitplan der einzelnen Projektsitzungen. Bei Fragen steht Herr Glück jederzeit zur Verfügung. Projektleitung: Frau Luther (Erich-Zeigner-Haus e. V., Leipzig) Verantwortliche Lehrkraft: Herr Glück Teilnehmende: 11grw3 Start: 24.09.2025

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Hier findet sich ein Einblick in schon durchgeführte Projekte.
Projektwebsite EZ-Haus.pdf
76.97 MiB
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Was uns erwartet (Kurzfassung)
Projekt in den Startlöchern.pdf
554.33 KiB
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Hier findet sich eine inhaltliche Übersicht der einzelnen Projektsitzungen.
Sitzungsplan Projekt %22Stolperstein%22 final.pdf
53.99 KiB

Der erste Schritt ist getan – Auftakt des Stolpersteinprojekts Am Mittwoch, dem 24.09.2025, fand die erste organisatorische Sitzung des Stolpersteinprojekts am Gymnasium Delitzsch statt. Die Schüler:innen des GRW-Kurses 11grw3 trafen sich zum offiziellen Projektauftakt, um sich gemeinsam mit der Geschichte von Wilhelm Friedrich Hänisch auseinanderzusetzen – einem Opfer des Nationalsozialismus aus Delitzsch. Neben organisatorischen Absprachen – etwa zur geplanten Exkursion – stand vor allem die inhaltliche Einführung im Mittelpunkt: Welche Erwartungen bringen die Jugendlichen mit? Was wissen wir bereits über die NS-Zeit – und welche Rolle spielte sie konkret in Nordsachsen und unserer Stadt? In einem ersten thematischen Austausch wurde deutlich: Viele Fragen sind offen, aber die Motivation, Antworten zu finden, ist groß. Ein Projekt beginnt – mit Haltung, Neugier und Verantwortung. Den Projektplan findet ihr im Beitrag verlinkt.

Sitzung I – Die BiographieWer war Wilhelm Friedrich Hänisch? In unserer ersten Sitzung haben wir uns seiner Lebensgeschichte genähert – behutsam, dokumentenbasiert, mit vielen Fragen. Anhand historischer Originalquellen aus nationalen Archiven konnten wir nachverfolgen: Hänisch wurde im KZ Sachsenburg inhaftiert und später im KZ Buchenwald ermordet. Biografiearbeit bedeutet, nicht nur Zahlen zu lesen – sondern Schicksale zu erkennen. Es ist unser Versuch, ihm seine Geschichte zurückzugeben.

Sitzung II und III Sitzung II – Ein Leben in Stationen Am 29. Oktober tauchte die Projektgruppe tiefer in die Lebensgeschichte von Wilhelm Friedrich Hänisch ein. Anhand historischer Originaldokumente wurde seine Biografie Schritt für Schritt rekonstruiert – von der Kindheit in Delitzsch bis zur Verfolgung durch das NS-Regime. Ein gemeinsam erarbeiteter Zeitstrahl half dabei, persönliche Schicksalsschläge mit den Entwicklungen der nationalsozialistischen Diktatur in Beziehung zu setzen. Im Anschluss begannen die Schüler:innen mit dem Entwurf eines Flyers, der später zur Information der Öffentlichkeit und zur Spendensammlung dienen soll. Die Erinnerung nimmt Form an – Zeile für Zeile, Leben für Leben. Sitzung III - Worte, Orte, Verantwortung Am 5. November wurde weiter am Projektflyer gearbeitet: Texte wurden überarbeitet, Inhalte gemeinsam reflektiert. Was wollen wir sagen – und wie sprechen wir über ein Leben, das brutal ausgelöscht wurde?Gemeinsam mit Clara Luther vom Erich-Zeigner-Haus planten die Schüler:innen zudem die bevorstehende Exkursion: Zur Auswahl stehen die Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenburg. Entschieden wurde sich für die Gedenkstätte Buchenwald. Ein weiterer Schwerpunkt war die geplante Inschrift für den Stolperstein – auf elf Zeilen verdichtet, sollen Name, Verfolgung und Tod von Wilhelm Friedrich Hänisch für immer im Stadtbild verankert werden.Gedenken braucht Sprache – und den Mut, sich zu entscheiden.

Sitzung IV: Elf Zeilen für ein Leben Am 26. November widmete sich die Projektgruppe der wohl persönlichsten Aufgabe bisher: der finalen Inschrift für den Stolperstein.Wie erinnert man würdig – in nur elf Zeilen? In intensiven Gesprächen wurde jedes Wort abgewogen, um Wilhelm Friedrich Hänisch als Menschen sichtbar zu machen: nicht nur als Opfer, sondern als Teil unserer Geschichte. Die Inschrift soll berühren, aufklären – und bleiben.Ein kleiner Stein mit großer Bedeutung.

Sitzung V – Worte, die bleiben In der fünften inhaltlichen Sitzung (03.12.2025) stand die gemeinsame Arbeit an einer Pressemitteilung im Mittelpunkt. Welche Worte finden wir? Wie erzählen wir von Wilhelm Friedrich Hänisch und kommunizieren unser Projekt nach außen? Die Schüler:innen stimmten Texte ab, diskutierten Formulierungen und arbeiteten an einer Sprache, die informiert, berührt und respektvoll erinnert. Parallel wurde der Projektflyer finalisiert – inklusive eines eigens aufgenommenen Gruppenfotos (nicht alle Teilnehmende zu sehen), das bald Teil der Öffentlichkeitsarbeit sein wird. Erinnerung braucht Ausdruck – und den Mut, gehört zu werden.

Sitzung VI – Buchenwald. Auf den Spuren von Wilhelm Friedrich Hänisch. Am 17.12.2025 begab sich die Projektgruppe nach Buchenwald – einem Ort, der sich kaum in Worte fassen lässt. Mehr als 270.000 Menschen aus über 50 Nationen waren hier zwischen 1937 und 1945 inhaftiert. Über 56.000 von ihnen wurden ermordet. Einer von ihnen war Wilhelm Friedrich Hänisch. Drei Stunden lang erkundeten die Schüler:innen in frei gewählten Gruppen das Gelände, die Ausstellungen und die Spuren des Grauens. Es war keine klassische Exkursion – es war eine persönliche Auseinandersetzung. Sie suchten nach Verbindungen zu Hänisch, stellten sich die Frage: Wo war er untergebracht? Wie hat er gelitten? Was hat man ihm genommen – außer dem Leben? Buchenwald war ein Wendepunkt im Projekt: Ein Ort des Schmerzes, aber auch der Verantwortung. Ein weiterer Schritt hin zu dem, was dieses Projekt will: Erinnerung schaffen – und einem Menschen seine Geschichte zurückgeben.

Sitzung VII – Wir wären gemeint gewesen Heute stand das Erinnern im Mittelpunkt – diesmal in Worten. Die Schüler:innen blickten gemeinsam auf die Exkursion nach Buchenwald zurück. Ihre Eindrücke, Gedanken und offenen Fragen hatten sie direkt nach der Rückfahrt notiert – nun wurden sie vorgelesen, geteilt und behutsam besprochen. Manche Sätze blieben stehen. Andere führten zu neuen Gesprächen. Die Erlebnisse aus Buchenwald hallten spürbar nach. Im zweiten Teil der Sitzung ging es um ein bedrückend nahes Thema: Jugendbewegungen im Nationalsozialismus. Anhand der ARD-Doku „Der Krieg und ich – Was war die Hitlerjugend?“ wurde sichtbar, wie das NS-Regime Kinder und Jugendliche systematisch ansprach, vereinnahmte und formte – mit Idealen, Versprechen und subtiler Kontrolle. Ein besonders eindringlicher Moment: Die Erkenntnis, dass die Schüler:innen heute in genau dem Alter sind, in dem auch damals geworben wurde. Was hätte uns damals beeinflusst? Und worauf müssen wir heute achten?

Sitzung VIII – Verführt, vereinnahmt, vernetzt In der achten Sitzung ging es um ein (weitergeführtes) Thema, das erschreckend nah wirkt: Jugend in der Diktatur – und im Extremismus. Ausgehend von der Hitlerjugend fragten sich die Schüler:innen, warum gerade junge Menschen im Nationalsozialismus gezielt umworben wurden – und wofür. Welche Bedürfnisse wurden angesprochen? Welcher „Nutzen“ steckte dahinter? Im zweiten Teil richtete sich der Blick in die Gegenwart: auf rechtsextreme Jugendbewegungen wie DJN, JA oder die 2025 gegründete Generation Deutschland.Wie wird heute geworben? Wie wird manipuliert? Und was können wir dagegenhalten?

Sitzung IX – Verantwortung übernehmen, Brücken bauen In der heutigen Sitzung stand ein zentraler Baustein des Projekts im Fokus: die Spendensammlung für unseren Stolperstein. Die Projektgruppe verteilte Verantwortlichkeiten: Für einen Brief an Unternehmen, für kreative Ideen zur Sammlung von Spenden, für einen Informationsbrief an den Bürgermeister sowie für die Flyerverteilung an markanten Orten der Stadt. Herr Glück hat bereits persönlich Flyer verteilt, u. a. bei Anwohner:innen der Verlegungsstelle in der Holzstraße 22 und im Schalom Begegnungszentrum Delitzsch, einem Ort des zivilgesellschaftlichen Miteinanders und der Erinnerungsarbeit.  Ein letzter Termin in der Schule bleibt noch. Die detaillierte Planung der Verlegung. Dafür wird es im April noch eine Sitzung geben, in der dann unter anderem an eigenen Redebeiträgen gefeilt, sowie über den Einsatz des Schulchores diskutiert wird. Wenn Sie das hier lesen, fühlen Sie sich gern ermutigt zu spenden (IBAN und Verwendungszweck gemäß Flyer). Alle Beträge sind willkommen und helfen nicht nur bei der aktuellen, sondern auch zukünftigen Stolpersteinverlegungen in Delitzsch.

Sitzung X – Ein Stein wird gesetzt Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht: Der Stolperstein für Wilhelm Friedrich Hänisch ist fertiggestellt. Die Inschrift – erarbeitet und bewusst gewählt von den Schüler:innen – macht sichtbar, was nicht vergessen werden darf: Verfolgung und Mord aus Ideologie – und eine Unmenschlichkeit, die zum System wurde. Am 30.06.2026 um 14 Uhr wird der Stolperstein an seinem letzten selbst gewählten Wohnort, der Holzstraße 22 in Delitzsch, verlegt. In einem gemeinsamen Gedenken stellen die Schüler:innen ihr Projekt vor und erinnern an das Schicksal Hänischs – begleitet vom Schulchor unseres Gymnasiums sowie Redebeiträgen u. a. des Oberbürgermeisters Dr. Manfred Wilde, unseres Schulleiters Herr Werner und der Projektleitung, vertreten durch Clara Luther. Wir laden herzlich ein, diesen Moment mit uns zu teilen. Gern können Sie eine weiße Rose zur abschließenden Blumenniederlegung mitbringen. Erinnerung wird sichtbar – im Stein und in uns.